Glossar
Begriffe wie XRechnung, ZUGFeRD oder Stundenkonto klingen technisch, sind sie auch. Wir definieren sie hier kompakt und mit Quellen, damit du beim nächsten Compliance-Gespräch nicht raten musst.
A
- Abgabenordnung (AO) complianceAllgemeines deutsches Steuerverfahrensrecht. Regelt Aufbewahrungsfristen, Festsetzungsverjährung, Mitwirkungspflichten und Außenprüfungen aller Steuerarten.
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) arbeitsrechtDeutsches Antidiskriminierungsgesetz von 2006. Verbietet Benachteiligung in Beschäftigung und beim Zugang zu Gütern wegen bestimmter geschützter Merkmale.
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) arbeitsrechtGrundgesetz des betrieblichen Arbeitsschutzes in Deutschland. § 3 Grundpflichten Arbeitgeber, § 5 Gefährdungsbeurteilung. Grundlage des BAG-Beschlusses zur Arbeitszeiterfassung.
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG) zeiterfassungDeutsches Bundesgesetz, das Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten für die meisten abhängig Beschäftigten regelt. Grundlage jeder Arbeitszeiterfassung in Deutschland.
- Arbeitszeugnis arbeitsrechtSchriftliche Bescheinigung des Arbeitgebers über das Arbeitsverhältnis. Nach § 109 GewO einklagbar, einfach (Art und Dauer) oder qualifiziert (zusätzlich Leistung und Verhalten).
- Aufhebungsvertrag arbeitsrechtVertrag zur einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses, schriftlich nach § 623 BGB. Keine Kündigungsfristen, aber Risiko einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.
B
- BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) arbeitsrechtStaatliche Ausbildungsförderung für Schüler und Studierende. Zur Hälfte Zuschuss, zur Hälfte zinsloses Staatsdarlehen mit Rückzahlungs-Höchstgrenze.
- Betriebsrat (BetrVG) arbeitsrechtGewählte Arbeitnehmervertretung im Betrieb nach dem Betriebsverfassungsgesetz. Mitbestimmung u. a. bei Arbeitszeit, Pausen, Urlaubsplanung sowie Anhörung bei Kündigungen.
- Bundesarbeitsgericht (BAG) arbeitsrechtHöchstes deutsches Arbeitsgericht mit Sitz in Erfurt. Letzte Revisionsinstanz nach Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht, prägt mit Grundsatzurteilen die Praxis.
- Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) complianceDeutsches Begleitgesetz zur DSGVO. Regelt unter anderem Beschäftigtendatenschutz, Videoüberwachung und Aufgaben der Aufsichtsbehörden.
- Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) familieBundesgesetz zu Elterngeld und Elternzeit. Regelt den Anspruch auf bis zu drei Jahre unbezahlte Elternzeit pro Kind und die staatliche Lohnersatzleistung Elterngeld.
- Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) abwesenheitenDeutsches Bundesgesetz, das den Mindestanspruch auf bezahlten Erholungsurlaub regelt: Anspruch, Dauer, Wartezeit, Übertragung. Verträge dürfen den Mindeststandard nur erweitern.
D
- DATEV rechnungenGenossenschaft der steuerberatenden Berufe, Sitz Nürnberg, gegründet 1966. Software-Standard für Lohn, Buchhaltung und Steuerberatung im DACH-Raum.
- Dienstvertrag arbeitsrechtVertrag nach § 611 BGB: Der Dienstverpflichtete schuldet die Tätigkeit, keinen Erfolg. Der Arbeitsvertrag ist ein gesetzlich geregelter Sonderfall (§ 611a BGB).
- DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) complianceSeit 25.05.2018 geltende EU-Verordnung zum Datenschutz. Vereinheitlicht Rechtsgrundlagen, Betroffenenrechte und Bußgelder bis 4 Prozent des Konzernumsatzes.
E
- E-Rechnung complianceSammelbegriff für strukturierte elektronische Rechnungen. Klar abzugrenzen von der Bildrechnung (PDF). In Deutschland Pflicht im B2G seit 2020 und stufenweise auch im B2B ab 2025.
- eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) arbeitsrechtSeit 2023 verpflichtendes Verfahren für GKV-Versicherte: Arzt meldet Krankschreibung elektronisch an Krankenkasse, Arbeitgeber ruft sie dort ab.
- Einkommensteuergesetz (EStG) complianceDeutsches Gesetz zur Besteuerung des Einkommens natürlicher Personen. Definiert sieben Einkunftsarten, Betriebsausgaben, Werbungskosten und Tarif.
- Elterngeld familieStaatliche Lohnersatzleistung für Eltern nach der Geburt eines Kindes. Mindestens 300 €, höchstens 1.800 € pro Monat. Geregelt im BEEG.
- EN 16931 complianceEuropäische Norm für die elektronische Rechnung. Definiert das semantische Datenmodell, auf dem XRechnung und ZUGFeRD (ab Profil EN 16931) aufbauen. Grundlage der EU-Richtlinie 2014/55/EU.
- Europäischer Gerichtshof (EuGH) complianceHauptgericht der Europäischen Union mit Sitz in Luxemburg. Verbindliche Auslegung des EU-Rechts mit Vorrang vor nationalem Recht der Mitgliedstaaten.
G
H
I
- IBAN (International Bank Account Number) rechnungenInternational standardisierte Kontonummer nach ISO 13616. Deutsche IBAN hat 22 Stellen und enthält Länderkennung, Prüfziffern, Bankleitzahl und Kontonummer.
- IHK (Industrie- und Handelskammer) complianceKörperschaft des öffentlichen Rechts mit Pflichtmitgliedschaft für Gewerbetreibende. Bündelt Interessenvertretung, Berufsausbildung und amtliche Bescheinigungen.
J
K
- KoSIT complianceKoordinierungsstelle für IT-Standards, pflegt im Auftrag des IT-Planungsrats den XRechnung-Standard und stellt Validatoren bereit. Angesiedelt beim Senator für Finanzen in Bremen.
- Krankschreibung arbeitsrechtÄrztliche Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit. Spätestens am vierten Krankheitstag vorzulegen, vertraglich oft schon ab dem ersten Tag verlangbar.
- Kündigung (Arbeitsverhältnis) arbeitsrechtEinseitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Schriftform nach § 623 BGB Pflicht; ordentliche und außerordentliche Kündigung mit eigenen Regeln.
- Kündigungsschutzgesetz (KSchG) arbeitsrechtDeutsches Gesetz, das Arbeitnehmer vor sozial ungerechtfertigten Kündigungen schützt. Anwendbar nach sechs Monaten Beschäftigung in Betrieben mit regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmern.
- Kurzarbeitergeld (KUG) arbeitsrechtLohnersatzleistung der Arbeitsagentur bei vorübergehendem Arbeitsausfall: 60 % (kinderlos) bzw. 67 % (mit Kind) der Nettoentgeltdifferenz. Geregelt in §§ 95 ff. SGB III.
L
- Leitweg-ID complianceBundesweite Routing-Kennung für elektronische Rechnungen an die öffentliche Verwaltung. Pflichtfeld in jeder XRechnung, ohne sie wird die Rechnung an der zentralen Eingangsplattform abgewiesen.
- Lohnsteuerklasse arbeitsrechtEinstufung von Arbeitnehmern in eine von sechs Klassen (I–VI) für den Lohnsteuerabzug nach § 38b EStG. Die Klasse bestimmt monatliche Freibeträge und damit die Höhe der einbehaltenen Lohnsteuer.
M
- Mahnung rechnungenFormelle Zahlungsaufforderung an einen Schuldner, der mit einer fälligen Leistung im Rückstand ist. Setzt den Schuldner nach § 286 BGB in Verzug, danach laufen Verzugszinsen nach § 288 BGB.
- Midijob (Übergangsbereich) arbeitsrechtBeschäftigung im Übergangsbereich nach § 20 Abs. 2 SGB IV mit Entgelt zwischen 556,01 € und 2.000 € monatlich. Reduzierte Arbeitnehmerbeiträge bei vollem Versicherungsschutz.
- Mindestlohn (MiLoG) arbeitsrechtGesetzlich garantierte Lohnuntergrenze in Deutschland nach dem Mindestlohngesetz (MiLoG). Seit 1. Januar 2025 12,82 € brutto pro Zeitstunde, mit weiteren Anpassungen ab 2026.
- Minijob (geringfügige Beschäftigung) arbeitsrechtGeringfügig entlohnte Beschäftigung nach § 8 SGB IV mit dynamischer Verdienstgrenze, gekoppelt an den gesetzlichen Mindestlohn. 2025: 538 €, 2026 voraussichtlich 556 € monatlich.
- Mutterschutzgesetz (MuSchG) arbeitsrechtDeutsches Gesetz zum Schutz schwangerer und stillender Frauen im Arbeitsleben. Regelt Schutzfristen, Beschäftigungsverbote, Kündigungsschutz und Mutterschaftsleistungen.
P
- Pausenregelung zeiterfassungGesetzliche Pausenpflichten nach § 4 ArbZG: 30 Minuten ab mehr als sechs Stunden Arbeit, 45 Minuten ab mehr als neun Stunden. Pausen sind keine Arbeitszeit.
- Peppol complianceOffenes, dezentrales Netzwerk für elektronische Rechnungen. Sender und Empfänger verbinden sich je über einen Access Point, Standardformat ist Peppol BIS Billing 3.0 (EN-16931-konform).
- Pflegezeit (PflegeZG) arbeitsrechtAnspruch auf Freistellung zur Pflege naher Angehöriger nach dem Pflegezeitgesetz: bis zu 10 Tage kurzfristig plus bis zu 6 Monate vollständige oder teilweise Freistellung.
- Probezeit arbeitsrechtVereinbarte Anfangsphase eines Arbeitsverhältnisses nach § 622 Abs. 3 BGB. Höchstens sechs Monate, Kündigungsfrist zwei Wochen. Ausbildung nach § 20 BBiG: ein bis vier Monate.
R
- Resturlaub abwesenheitenUrlaubstage, die im Kalenderjahr nicht genommen wurden. Übertragung nur nach § 7 Abs. 3 BUrlG, Verfall nur, wenn der Arbeitgeber rechtzeitig auf den Restanspruch hingewiesen hat.
- Reverse Charge rechnungenUmkehrung der Steuerschuldnerschaft: Nicht der leistende Unternehmer, sondern der Leistungsempfänger schuldet die Umsatzsteuer. Geregelt in § 13b UStG, typisch im EU-B2B-Verkehr.
- Ruhezeit zeiterfassungMindestens elf Stunden zusammenhängende Ruhe zwischen zwei Arbeitstagen nach § 5 ArbZG. Pflicht für nahezu alle Arbeitsverhältnisse, mit Branchen-Ausnahmen.
S
- Scheinselbständigkeit arbeitsrechtFormal selbständige Tätigkeit, die tatsächlich abhängige Beschäftigung nach § 7 SGB IV ist. Folgen: Beitragsnachzahlung bis zu vier Jahre rückwirkend und ggf. Strafbarkeit nach § 266a StGB.
- SEPA (Single Euro Payments Area) rechnungenEinheitlicher Euro-Zahlungsraum aus 36 Ländern. Standardisiert Überweisung, Lastschrift und Echtzeitzahlung in Euro über die Landesgrenzen hinweg.
- Sonderurlaub abwesenheitenBezahlte Freistellung für persönliche Anlässe wie Heirat, Geburt, Todesfall oder Umzug. Grundlage ist § 616 BGB, eine dispositive Norm, die vertraglich ausgeschlossen werden kann.
- Sperrzeit (ALG I) arbeitsrechtZeitraum, in dem trotz Arbeitslosigkeit kein Anspruch auf Arbeitslosengeld I besteht. Geregelt in § 159 SGB III; bei Eigenkündigung oder Aufhebungsvertrag in der Regel zwölf Wochen.
- Stundenkonto zeiterfassungSaldo aus Soll- und Ist-Arbeitszeit über einen Zeitraum hinweg. Macht Über- und Unterstunden transparent, Pflicht-Werkzeug, sobald Arbeitszeit jenseits starrer Tagesmodelle erfasst wird.
T
- Tarifvertrag (TVG) arbeitsrechtSchriftlicher Kollektivvertrag zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber oder Arbeitgeberverband nach dem TVG. Regelt Arbeitsbedingungen verbindlich für die tarifgebundenen Parteien.
- Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) arbeitsrechtBundesgesetz für Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge. Regelt Befristung mit und ohne Sachgrund, Anspruch auf Teilzeit und Brückenteilzeit, Diskriminierungsverbote.
U
- Überstunden zeiterfassungArbeit über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Abgrenzung zur Mehrarbeit (jenseits der ArbZG-Grenzen). Abgeltung regelt der Arbeitsvertrag, nicht das Tool.
- Umsatzsteuergesetz (UStG) rechnungenDeutsches Umsatzsteuerrecht. Definiert Steuersätze, Vorsteuerabzug, Reverse Charge, Kleinunternehmer und Pflichtinhalte einer Rechnung.
- USt-IdNr rechnungenUmsatzsteuer-Identifikationsnummer für den grenzüberschreitenden EU-Handel. Wird vom Bundeszentralamt für Steuern vergeben (§ 27a UStG). Nicht zu verwechseln mit der inländischen Steuernummer.
W
- Werkstudent arbeitsrechtEingeschriebener Vollzeit-Studierender mit Nebenbeschäftigung. Werkstudentenprivileg befreit von Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, nur Rentenversicherungspflicht bleibt.
- Werkvertrag arbeitsrechtVertrag nach § 631 BGB, mit dem sich der Unternehmer zur Herstellung eines konkreten Werkes verpflichtet. Geschuldet ist der Erfolg, nicht die Tätigkeit. Mängelgewährleistung statt Weisungsrecht.