Gleitzeit
Arbeitszeitmodell mit flexiblen Anfangs- und Endzeiten innerhalb eines vereinbarten Rahmens. Über- und Unterstunden landen auf dem Stundenkonto, das Tages-Soll bleibt verbindlich.
Was Gleitzeit ist
Gleitzeit ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem die Mitarbeitenden Anfang und Ende ihres Arbeitstages innerhalb eines mit dem Arbeitgeber vereinbarten Rahmens selbst bestimmen. Anstatt täglich „9 bis 17 Uhr" zu fixieren, gibt es einen Rahmen (z. B. 7 bis 20 Uhr) und meist eine Kernarbeitszeit, in der Anwesenheit verbindlich ist. Differenzen zum Soll werden über ein Stundenkonto verbucht und in einem Ausgleichszeitraum wieder abgebaut.
Kernarbeitszeit und Funktionszeit
Klassische Gleitzeit unterscheidet drei Zonen: die Gleitzeit-Zone am Rand (frei wählbar), die Kernarbeitszeit in der Mitte (verbindlich anwesend) und die Pausenzeit. Manche Betriebe ersetzen die Kernarbeitszeit durch eine „Funktionszeit", in der das Team-Erreichbarkeit sicherstellt, ohne dass jede einzelne Person anwesend sein muss. Welches Modell gilt, regelt der Arbeitsvertrag oder die Betriebsvereinbarung.
Abgrenzung zur Vertrauensarbeitszeit
Gleitzeit ist nicht dasselbe wie Vertrauensarbeitszeit. Bei Gleitzeit wird die Arbeitszeit weiter erfasst, nur Lage und Verteilung sind flexibel. Vertrauensarbeitszeit dagegen verzichtet traditionell auf jede Zeiterfassung. Nach dem BAG-Urteil vom 13.09.2022 (1 ABR 22/21) und der daraus abgeleiteten Aufzeichnungspflicht ist „Vertrauensarbeitszeit ohne Erfassung" praktisch nicht mehr zulässig, die Erfassung kann delegiert werden, aber nicht entfallen.
Verbuchung über das Stundenkonto
Wer an einem Tag länger arbeitet als das Soll, baut Plus-Stunden auf, wer kürzer arbeitet, geht ins Minus. Das Stundenkonto bildet diesen Saldo laufend ab. Die Regeln für maximale Plus- und Minus-Salden, Ausgleichsfristen und Verfall stehen im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung, nicht im ArbZG selbst.
Grenzen durch das ArbZG
Auch in Gleitzeit gelten die Schranken des Arbeitszeitgesetzes: maximal acht Stunden werktäglich (verlängerbar auf zehn, wenn der Sechs-Monats-Schnitt von acht eingehalten wird), Pausen nach § 4 ArbZG ab sechs Stunden, mindestens elf Stunden Ruhezeit nach § 5 ArbZG. Gleitzeit erlaubt Flexibilität in der Lage, nicht in der Höchstdauer.
In evaluateMe landen Plus- und Minus-Stunden gegenüber dem Tages-Soll laufend auf dem Stundenkonto (Soll/Ist je Tag, Saldo pro Monat).
Auch bekannt als
- gleitende Arbeitszeit
- Flextime
- flexible Arbeitszeit
- Gleitzeitmodell
Häufige Fragen zu diesem Begriff
Verwandte Begriffe
Quellen
Häufige Fragen
- Darf ich in Gleitzeit jeden Tag selbst entscheiden, wann ich komme?
- Innerhalb des vereinbarten Rahmens ja, außerhalb der Kernarbeitszeit. Die Kernarbeitszeit ist verbindlich, dort muss Anwesenheit (oder bei Funktionszeit Erreichbarkeit) sichergestellt sein. Was außerhalb der Kernarbeitszeit liegt, ist frei wählbar, solange die ArbZG-Grenzen eingehalten werden.
- Können Minus-Stunden in Gleitzeit verfallen?
- Plus- und Minus-Salden unterliegen den Regeln im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung. Üblich sind Ausgleichszeiträume (z. B. drei oder zwölf Monate). Verfällt ein Minus-Saldo am Ende des Zeitraums automatisch zugunsten des Arbeitgebers? Das ist arbeitsrechtlich umstritten und hängt am Einzelfall.
- Ist Gleitzeit das Gleiche wie Homeoffice?
- Nein. Gleitzeit regelt nur, wann gearbeitet wird, nicht wo. Homeoffice und Gleitzeit lassen sich kombinieren, sind aber zwei separate Vereinbarungen.