Überstunden
Arbeit über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Abgrenzung zur Mehrarbeit (jenseits der ArbZG-Grenzen). Abgeltung regelt der Arbeitsvertrag, nicht das Tool.
Was Überstunden sind
Überstunden sind alle Arbeitsstunden, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Eine 40-Stunden-Kraft, die in einer Woche 44 Stunden arbeitet, hat vier Überstunden gemacht. Der Begriff ist arbeitsvertraglich definiert, nicht im ArbZG. Das Gesetz interessiert sich nur dafür, dass die Höchstarbeitszeit eingehalten wird (siehe Mehrarbeit).
Überstunden vs. Mehrarbeit
Die beiden Begriffe werden umgangssprachlich synonym verwendet, sind es juristisch aber nicht. Mehrarbeit ist Arbeit über die gesetzliche Höchstarbeitszeit nach ArbZG hinaus (also über acht bzw. zehn Stunden pro Werktag). Überstunden sind Arbeit über die individuell vereinbarte Arbeitszeit hinaus, die meistens noch unterhalb der ArbZG-Grenze liegt. Eine 20-Stunden-Teilzeitkraft, die 30 Stunden arbeitet, macht zehn Überstunden, aber keine Mehrarbeit.
Anordnung und Anerkennung
Überstunden müssen grundsätzlich vom Arbeitgeber angeordnet, geduldet oder gebilligt sein, damit sie vergütungspflichtig werden. Wer ohne Auftrag länger bleibt, hat im Streitfall die Darlegungs- und Beweislast, und die ist hoch (BAG ständige Rechtsprechung). Eine saubere Erfassung mit Stundenkonto ist der wichtigste Baustein, um Überstunden überhaupt nachweisen zu können.
Abgeltung: Auszahlung, Freizeitausgleich, Verfall
Wie Überstunden abgegolten werden, regelt der Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung, nicht das Tool. Übliche Modelle sind Auszahlung mit oder ohne Zuschlag, Freizeitausgleich (Time off in lieu) innerhalb einer Frist und pauschale Abgeltung über das Grundgehalt. Pauschalabgeltungs-Klauseln sind nur wirksam, wenn sie klar bezifferbar sind, pauschale „alle Überstunden sind abgegolten"-Klauseln sind nach BAG-Rechtsprechung in der Regel unwirksam (Transparenzgebot, § 307 BGB).
Wie evaluateMe Überstunden behandelt
evaluateMe zeigt den Saldo auf dem Stundenkonto: jede über die Soll-Arbeitszeit hinaus erfasste Stunde wandert ins Plus. Das Tool nimmt keine arbeitsrechtliche Wertung vor, ob ein Plus-Saldo Überstunden im Rechtssinn sind, ob sie abgegolten, ausgezahlt oder verfallen, entscheidet der Vertrag. evaluateMe stellt die Datenbasis transparent bereit.
Die rechtliche Bewertung von Überstunden ist Einzelfall, Pauschal- Klauseln, Verfallsfristen, Tarif. evaluateMe liefert die Zahlen, der Vertrag entscheidet. Siehe Doku-Kapitel „Überstunden im Stundenkonto” ergänzen, sobald vorhanden.
Auch bekannt als
- Mehrarbeit
- Plusstunden
- Overtime
Häufige Fragen zu diesem Begriff
- Was ist die maximale Wochenarbeitszeit in Deutschland?
- Was ist der Unterschied zwischen Mehrarbeit und Überstunden?
- Wie lange muss ich Stundenzettel aufbewahren?
- Muss ich jede einzelne Arbeitsstunde belegen?
- Was zählt im Arbeitsrecht als revisionssicher?
- Was ist Kurzarbeitergeld?
- Sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten?
- Wann werden Überstunden ausbezahlt?
Verwandte Begriffe
Quellen
Häufige Fragen
- Sind Überstunden automatisch zu bezahlen?
- Nein. Vergütungspflicht setzt voraus, dass die Überstunden angeordnet, geduldet oder gebilligt waren und dass es eine vertragliche Grundlage gibt, entweder explizit (Auszahlung, Zuschlag) oder über § 612 BGB (übliche Vergütung, wenn ohne Vergütung nicht zu erwarten). Pauschale Abgeltungs-Klauseln sind nur in engen Grenzen wirksam.
- Können Überstunden verfallen?
- Ja, wenn der Arbeitsvertrag oder die Betriebsvereinbarung eine Verfallsfrist vorsieht (z.B. Verfall nach zwölf Monaten ohne Ausgleich). Solche Klauseln müssen klar formuliert sein. Tarifverträge regeln das häufig branchenspezifisch. evaluateMe selbst lässt Salden stehen, Verfall ist Sache der Vertragsauslegung.
- Wie unterscheiden sich Überstunden bei Teilzeit?
- Teilzeitkräfte machen Überstunden bereits dann, wenn sie über ihre individuelle Vertragsarbeitszeit hinaus arbeiten, nicht erst über die Vollzeit-Schwelle. Eine 20-Stunden-Kraft, die 25 Stunden arbeitet, hat fünf Überstunden, gleichbehandlungsrechtlich ist eine schlechtere Vergütung gegenüber Vollzeitkräften unzulässig.
- Muss der Arbeitgeber Überstunden erfassen?
- Seit dem BAG-Urteil 1 ABR 22/21 vom 13.09.2022 muss der Arbeitgeber die gesamte Arbeitszeit erfassen, Überstunden sind ein Teilausschnitt davon. Die alte Spezialregel des § 16 Abs. 2 ArbZG (Aufzeichnung nur der über acht Stunden hinausgehenden Zeit) ist faktisch überholt.