Was ist die Lohnsteuerklasse?
Antwort
Die Lohnsteuerklasse (I–VI) bestimmt, wie viel Lohnsteuer dein Arbeitgeber direkt vom Bruttolohn abführt. Sie hängt vor allem von Familienstand, Anzahl der Beschäftigungen und beim Ehepaar von der Aufteilung der Einkommen ab.
Die sechs Lohnsteuerklassen im Überblick
Das Einkommensteuergesetz definiert in § 38b sechs Lohnsteuerklassen:
- Klasse I: Ledige, dauerhaft Getrenntlebende, Geschiedene und Verwitwete ohne Steuerklasse III
- Klasse II: Alleinerziehende mit Entlastungsbetrag nach § 24b EStG
- Klasse III: Verheiratete in Kombination mit Klasse V; insbesondere, wenn ein Partner deutlich mehr verdient
- Klasse IV: Verheiratete mit etwa gleich hohem Einkommen
- Klasse V: Pendant zu Klasse III; der schlechter verdienende Partner zahlt höhere Lohnsteuer
- Klasse VI: Für jede zweite und weitere lohnsteuerpflichtige Beschäftigung
Wie wirkt sich die Steuerklasse aus?
Die Steuerklasse steuert ausschließlich den Lohnsteuerabzug, also wie viel Steuer der Arbeitgeber Monat für Monat ans Finanzamt abführt. Die tatsächlich geschuldete Jahressteuer ändert sich dadurch nicht; sie wird mit der Einkommensteuererklärung im Folgejahr endgültig festgesetzt.
Bei Ehepaaren gilt: Die Kombination III/V führt unterm Strich nicht zu weniger Steuer, sondern nur zu einer ungleichen monatlichen Verteilung. Wer III hat, hat mehr Netto im Monat; wer V hat, weniger.
Faktorverfahren als Alternative
Seit 2010 können Ehepaare statt III/V das Faktorverfahren wählen (§ 39f EStG, Steuerklassen IV/IV mit Faktor). Der monatliche Abzug entspricht dann ungefähr der tatsächlichen Jahresschuld, was Nachzahlungen vermeidet, sinnvoll besonders dann, wenn Lohnersatzleistungen (Eltern-, Arbeitslosen-, Krankengeld) wegen der Klassenwahl beeinflusst würden.
Wechsel der Steuerklasse
Ehepaare können die Steuerklasse beim Finanzamt wechseln (Formular „Antrag auf Steuerklassenwechsel"). Üblicherweise ist ein Wechsel mehrfach im Jahr möglich. Ab 2030 sollen die Steuerklassen III/V abgeschafft und durch ein verpflichtendes Faktorverfahren ersetzt werden, dieser Schritt ist gesetzlich beschlossen.
Verwandte Fragen
- Welche Steuerklasse ist für Ehepaare am besten?
- Pauschal lässt sich das nicht sagen. III/V lohnt sich monatlich, wenn ein Partner viel mehr verdient, aber die Jahressteuer ist identisch. Faktorverfahren (IV/IV mit Faktor) ist meist genauer und vermeidet hohe Nachzahlungen. Bei Lohnersatzleistungen ist die Klassenwahl entscheidend.
- Was passiert, wenn ich Steuerklasse VI habe?
- Klasse VI wird beim Zweit- oder Drittarbeitsverhältnis automatisch verwendet. Es gibt keinen Grundfreibetrag, die Lohnsteuer ist daher hoch. Bei der Einkommensteuererklärung wird das aber rückwirkend ausgeglichen.
- Können Alleinerziehende automatisch in Klasse II eingestuft werden?
- Nicht ganz automatisch. Alleinerziehende müssen den Entlastungsbetrag (§ 24b EStG) beantragen, indem sie mit einem schulpflichtigen Kind in einem Haushalt leben und keine weitere erwachsene Person dort gemeldet ist.
Quellen
- § 38b Einkommensteuergesetz (EStG), gesetze-im-internet.de
- Bundesfinanzministerium, Lohnsteuerklassen
- § 39f EStG, Faktorverfahren
Stand:
Im Glossar
Mehr aus dem FAQ
- Was ist die Kirchensteuer?Die Kirchensteuer ist eine Zusatzsteuer, die Mitglieder einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft zahlen. Sie beträgt 8 % der Lohn- bzw. Einkommensteuer in Baden-Württemberg und Bayern und 9 % in allen anderen Bundesländern.
- Was ist eine pauschale Besteuerung?Bei der Pauschalbesteuerung übernimmt der Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem festen Prozentsatz statt nach individuellen Lohnsteuermerkmalen. Bekannte Fälle: Minijobs (2 % oder 30 %), bestimmte Sachzuwendungen und betriebliche Altersvorsorge.
- Was ist ein Tarifvertrag?Ein Tarifvertrag ist ein schriftlicher Vertrag zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber(verbänden), der Arbeitsbedingungen regelt, Löhne, Arbeitszeit, Urlaub, Sonderzahlungen. Rechtsgrundlage: Tarifvertragsgesetz (TVG).