Soll, Ist, Saldo: Wie ein Stundenkonto wirklich funktioniert
Soll, Ist und Saldo erklärt, mit Rechenbeispiel für eine echte Woche inklusive Feiertag und Halbtag. Was Urlaub und Krankheit am Soll ändern.
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Ein Stundenkonto ist im Kern eine sehr einfache Idee, die in der Praxis erstaunlich oft falsch verstanden wird: Soll minus Ist gleich Saldo. Das wars. Drei Zahlen, eine Formel.
Schwierig wird es erst in dem Moment, in dem ein Feiertag in die Woche fällt, jemand Heiligabend früher geht oder mitten im Monat zwei Tage krank ist. Genau da brechen Excel-Tabellen reihenweise.
Dieser Artikel klärt die drei Begriffe und zeigt an einer konkreten Woche, wie das Konto wirklich tickt.
Soll: was du arbeiten solltest
Das Soll ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, heruntergebrochen auf den Tag. Wenn dein Arbeitsvertrag 40 Stunden pro Woche vorsieht und du Montag bis Freitag arbeitest, ergibt das ein Tages-Soll von 8 Stunden.
Bei Teilzeit skaliert das linear. 32 Stunden auf 5 Tage sind 6,4 Stunden pro Tag. 30 Stunden auf 4 Tage sind 7,5 Stunden pro Tag. Wie genau die Stunden verteilt werden, regelt das Arbeitszeitmodell, gleichmäßig, ungleichmäßig, mit Halbtagen, ganz wie verabredet.
Wichtig: Das Soll ist kein Limit, sondern ein Referenzwert. Du darfst mehr arbeiten (dann wandert das in den positiven Saldo) und du darfst weniger arbeiten (dann in den negativen).
Ist: was du tatsächlich gearbeitet hast
Das Ist ist die Summe der erfassten Arbeitszeit pro Tag, abzüglich Pausen. Wenn du um 9:00 anfängst, um 12:30 eine halbe Stunde Pause machst und um 17:30 aufhörst, sind das 8 Stunden Ist.
Pausen sind nicht verhandelbar: Das ArbZG schreibt ab 6 Stunden Arbeit mindestens 30 Minuten Pause vor, ab 9 Stunden 45 Minuten. In evaluateMe trägst du Pausen selbst ein, indem du den Eintrag entsprechend abgrenzt, Pausenzeit ist schlicht nicht erfasste Arbeitszeit und fließt damit nicht ins Ist.
Saldo: die Differenz
Saldo = Ist − Soll. Positiv heißt Überstunden, negativ heißt Unterstunden. Das war es schon, die Zahl selbst sagt nichts darüber aus, ob die Überstunden ausgezahlt, abgefeiert oder verfallen sind. Das regelt der Vertrag, nicht das Konto.
Was Feiertage am Soll ändern
Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Werktag, an dem du normalerweise arbeiten würdest, wird das Tages-Soll für diesen Tag auf 0 gesetzt. Du musst nichts arbeiten und das Konto fließt nicht ins Minus.
Das ist der Punkt, an dem viele selbstgebauten Excel-Tabellen scheitern: Sie ziehen brav 8 Stunden Soll vom Feiertag ab und der Saldo schmilzt sinnlos weg. Korrekt ist: Soll am Feiertag = 0.
Welche Tage Feiertage sind, hängt vom Bundesland ab (oder vom Kanton in der Schweiz und vom Bundesland in Österreich). Reformationstag ist nur in neun deutschen Bundesländern arbeitsfrei. Fronleichnam nur in fünf.
Halbtage: 0,5 statt 1,0
Heiligabend und Silvester sind in vielen Verträgen halbe Arbeitstage. Das bedeutet: Das Tages-Soll für diesen Tag wird halbiert. Bei 8 Stunden Normalsoll werden also 4 Stunden Soll angesetzt.
Das ist sauberer als „4 Stunden frei nehmen”, du brauchst keinen Urlaubstag, der Saldo bleibt neutral, wenn du genau bis Mittag arbeitest.
Urlaub und Krankheit
Bei Urlaub und Krankheit wird das Tages-Soll vollständig erfüllt, als ob du gearbeitet hättest. Das ist nicht trivial: Ein Urlaubstag oder Krankentag soll dich nicht in den negativen Saldo treiben. Du nimmst dir ja gerade einen freien Tag, weil du nicht arbeitest.
Technisch wird der Tag mit Soll = Ist verbucht. Saldo-Effekt: 0. So bleibt das Konto fair.
Beispielwoche: 40-Stunden-Vertrag, Donnerstag Feiertag, Freitag halbtags
Stell dir vor: Du hast einen 40-Stunden-Vertrag, Mo–Fr je 8 Stunden Soll. Die Woche enthält einen Feiertag am Donnerstag und du gehst Freitag mittags früher.
| Tag | Soll | Ist | Saldo-Beitrag |
|---|---|---|---|
| Mo | 8,0 | 8,5 | +0,5 |
| Di | 8,0 | 7,75 | −0,25 |
| Mi | 8,0 | 9,0 | +1,0 |
| Do (Feiertag) | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Fr (halbtags) | 4,0 | 4,0 | 0,0 |
| Woche | 28,0 | 29,25 | +1,25 |
Das Konto bewegt sich um +1,25 Stunden. Wichtig: Der Feiertag senkt nicht den Anspruch, er passt nur das Soll an. Du arbeitest in dieser Woche 28 Stunden statt 40, und das ist genau so vorgesehen.
Wäre der Donnerstag kein Feiertag, sondern ein normaler Krankentag, wäre das Soll für Donnerstag 8,0 und das Ist ebenfalls 8,0 (krankheitsbedingt „erfüllt”). Saldo-Beitrag: 0. Wäre der Donnerstag ein Urlaubstag, exakt dasselbe.
Warum das Konto trotzdem manchmal überrascht
Drei Klassiker, die Diskussionen auslösen:
- Pausen wurden nicht erfasst. Wer brav 9–17 trackt, ohne die halbe Stunde Mittagspause aus dem Eintrag herauszunehmen, sieht ein zu hohes Ist. Wird die Pause nachgetragen, scheint plötzlich „eine halbe Stunde zu fehlen”.
- Brückentage sind nicht automatisch frei. Ein Brückentag ist nur dann am Soll = 0, wenn er als Urlaub gebucht ist. Wer einfach nicht arbeitet, fährt einen vollen Tag ins Minus.
- Teilzeit-Tage wechseln das Soll. Wer am Mittwoch frei hat (Vier- Tage-Woche), hat an diesem Tag Soll = 0. Wer dann doch zwei Stunden arbeitet, baut Plus auf, das ist Teilzeit, nicht eine „verlorene” Stunde.
Weiterlesen
- Stundenkonto im Glossar, der Begriff in der Kurzform
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG), die Pausen-Regeln, die du beim Erfassen des Ist beachtest
- Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), wie Urlaubstage am Soll verbucht werden